Chronik

Über 35 Jahre MCC

Es war einmal vor über 35 Jahren …, da beschlossen die Betriebsleitung der WAMA, daß für die bessere Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse der Werktätigen etwas getan werden muß – es muß ein Betriebsfasching her! Ehrenvoll wurde die Betriebsjugend mit der Organisation und Durchführung dieser wichtigen Aufgabe betraut.

Unter deren Leitung wurde ein Faschingskomitee (oder Elferrat oder wie auch immer) gegründet, nachdem so was bereits in den 60-er Jahren existiert hatte, aber eingeschlafen war.
Mit dabei waren bereits einige Leute , die nun seit 35 Jahren zum Faschingsstamm des mcc gehören und Euch bestens bekannt sind, z.B. Leni Günther, Arnd Förster, Martina Taubert, Hermann Ackner.
Das erste / neue Faschingsprogramm fand damals im Rathaussaal zur Linde statt und war der Knaller der Saison – sprich: ein riesengroßer Reinfall! Daraufhin sprach der harte Kern der Faschingsenthusiasten : Jetzt zeigen wir euch mal, was Fasching ist; jetzt machen wir Fasching wie wir ihn wollen und nicht wie Betrieb und Regierung. Und so sehen wir den 11.11.1981 als Gründungsdatum unseres Vereines, des heutigen mcc, an, obwohl der Start zunächst ein Fehlstart war!
Von damals bis 1991 hielt Leni Günther die Zügel und das Zepter in der Hand, dann verschlug es sie aus familiären Gründen an den Rhein. Aber sie ist uns bis heute treu geblieben! Von diesem Zeitpunkt an stand Arnd Förster als Präsident an der Spitze des mcc, seit September 2010 als Ehrenpräsident.

Am Anfang gab es noch gar keinen richtigen Namen. Nach den ersten Faschingserfolgen in der “Eintracht” war es, ich glaube 1986, als wir uns WCC, WAMA-Carnevals-Club, nannten. Denn es war ja ein Betriebs-Faschingsclub der WAMA. Übrigens: es gab ja in der DDR nichts, was nicht geregelt war, also auch der Karneval (Vgl Gesetzblatt Teil 1 Nr. 26 v. 18.8.1986 – Anordnung über die Rechtsstellung, Anleitung und Finanzierung ehrenamtlich geleiteter Karnevalklubs v. 21.7.1986)
In diesem Zusammenhang mußte sich der WCC vor dem Kreiskulturkabinett als Volkskunstkollektiv einstufen lassen. Diese Einstufung erfolgte 1988 mit unserem Programm“So ein Theater”.
Wir wurden quasi von Null aus sofort in die “Mittelklasse” eingestuft – man, was waren wir damals stolz darauf! Außerdem hatte diese Einstufung einen erfreulichen pekuniären Nebeneffekt – sie berechtigte uns, höhere Eintrittspreise zu verlangen.
Nachdem sich solchermaßen der Ruf unseres Faschings weit über die Betriebsgrenzen der WAMA hinaus verbreitet hatte und wir sogar 1987 und 1988 „Auslandsgastspiele“ in Rathenow hatten, wurde die Stadt Markkleeberg aufmerksam und fragte an, ob wir nicht öffentliche Veranstaltungen machen könnten. Ein Vertrag wurde geschlossen und mit “Spott frei” fand 1989 endlich wieder ein Fasching in der “Linde” statt. Aus verschiedenen Gründen mußten wir 1991 mit “Tutti-Frutti” nochmal in den WAMA-Speisesaal zurück (obwohl noch
heute die richtigen Fans sagen, daß das die gemütlichsten Feiern waren – die im Speisesaal).

Die Wende brachte 1991 auch erste Kontakte zum rheinischen Karneval mit Gastspielen in Wiesbaden und Besuch Wiesbadener Narren vom Verein „Gibber Grand Hand“ in Markkleeberg – Kontakte, die leider inzwischen wieder eingeschlafen sind. Über unser Ehrenmitglied Leni Günther, die nun im Rheinland wohnt, sind die Einflüsse des Rheinischen Karnevals (Guntersblum) aber nach wie vor vorhanden und manche „Nummer“ von dort landet hier und umgekehrt!

Mit der nach neuem Recht erforderlichen Vereinsgründung und dem mittlerweile weit über den ehemaligen betrieblichen Rahmen hinausgewachsenen Karnevalsumfeld stand nun die Frage nach dem Clubnamen akut an. Da der Mensch von Natur aus faul ist, machten wir es ganz einfach, und drehten das W zum M um – und so heißen wir seit der Registrierung im Vereinsregister am 1.2.1992 mcc markkleeberger-carnevals-club e.V.
Wobei die Kleinschreibung nichts über die wahre Größe aussagen soll, sondern nur zur optischen Abgrenzung von den Mainzern dient! Mit dankenswerter Unterstützung der Stadt Markkleeberg konnten wir ab 1992 (mit Intermezzo 2007 wegen Umbau der Linde in der Turnhalle der Berufsschule) unsere Faschingsveranstaltungen in der “Linde” durchführen und hoffen natürlich, daß uns und Euch diese schöne Spielstätte weiterhin zur Verfügung steht. Manchmal denken wir mit Grausen an die Zeiten, wo wir uns im Kohlenkeller umziehen mußten, weil in der “Eintracht” keine anderen Räumlichkeiten vorhanden waren. Aber die Zeiten ändern sich halt immer wieder!
Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der mcc sich aktiv im FKLK Förderkomitee Leipziger Karneval engagiert und Mitglied im VSC Verband Sächsischer Carneval und im BDK Bund Deutscher Karneval ist.

(Text Matthias Bruchholz Programmheft 2001 zum 20. Jubiläum, auf 30. leicht modifiziert und ergänzt)

Der mcc hat heute 85 Mitglieder, verfügt über eine ganze Reihe von Programmgruppen (z.B. Kinder, Jugend, Mamas, Schrappnellen, Männerballett) und bestreitet jährlich 3-4 Veranstaltungen mit meist ausverkauftem Haus.

Die Programme:

1982 Fasching (themenlos)
1983 Jahrmarkt
1984 Zirkus
1985 In der WAMA ist der Himmel los
1986 Wir schiffen uns ein
1987 Fastnacht im Märchenwald
1988 So ein Theater
1989 Spott Frei
1990 Wir lassen die Sau raus, habt Euch nicht so ochssch
1991 Tutti frutti
1992 Wir zeigen Euch die Zähne
1993 Nichts ist unmööglich- Markklööberg
1994 wir heben ab
1995 Faust – wir boxen uns durch die Zeit
1996 Ritter, Räuber, Rasseweiber
1997 Säxisch ohne wenn und aber
1998 Mainz bleibt Mainz und Markkleeberg bleibt seins
1999 Tatort Linde
2000 Von Grebeelkkram bis Rock’n Roll- der mcc macht das Jahrtausend voll
2001 20 Jahre froh und heiter, der mcc macht lustig weiter
2002 So viel Spaß fürs letzte Geld, der mcc reist um die Welt
2003 Markkleeberg, Abenteuerland, der Eintritt raubt euch den Verstand
2004 Geht der DAX auch hoch und runter, Markkleeberg wird zum Wirtschaftswunder
2005 Superstar und Oscarfieber, beim mcc platzt jedes Mieder
2006 seit 25 Jahren wird beim mcc gelacht, drum feiern wir 1001 Nacht
2007 Ob Linde oder Hühnerstall, der mcc spielt überall
2008 Die Linde strahlt in neuem Glanz, wir laden ein zum Faschingstanz
2009 Es wackelt die Reling, es schwankt der Kahn, der mcc legt in Neuseenland an
2010 Wir laden ein die ganze Welt zum mcc ins Zirkuszelt
2011 30 Jahre auf und nieder, der mcc kommt immer wieder
2012 Macht die Zeitmaschine klar, wir zeigen Euch wie´s damals war
2013 Von Sangria bis Jagertee – so feiern wir beim mcc
2014 Der mcc verkündet froh: Markkleeberg hat jetzt auch´nen Zoo
2015 Haltestelle Rathaussaal – per Orientexpress durch Berg und Tal
2016 35 Jahre … ham mer…- Wir feiern in der Rumpelkammer
2017 Oetzsch-Gautzsch lacht in der karibischen Nacht
2018 Glitzer, Glamour, Geld verzocken… der mcc wird Las Vergas rocken
2019 Na gugge der mcc macht 90´er Mugge.
2020 Oetzsch, Gautzsch, Helau – stell deine Maske zur Schau

Aus Büttenreden:

1984:
Was für den Westen Zirkus Krone, das ist die WAMA hier im Osten
Direktor Legler, Assi Bohne, die lassen’s sich darum was kosten
und haben hier ins Zirkuszelt so manchen Star für uns bestellt.
Hier in der Bütt will ich berichten, wie wir erfüllen Narrenpflichten
In unserm WAMA – Zirkusbau. WAMA hellau, WAMA hellau!

1987:
Es war einmal vor vielen Jahren, da gabs nur Konsum und HO
und Westgeld brachte nur Gefahren, vom Umtausch wurdest Du nicht froh.
Es gab zwar manches, längst nicht alles, manchmal auch Schinken, Zunge, Steaks,
kein Luxus wie bei Denver, Dallas, nicht Mon cheri, nicht Bahlsen Keks.
Das war einmal, vor vielen Jahren, jetzt musst Du schon zum Delikat,
doch kannst auch dort Du oft erfahren, dass unsre Währung Grenzen hat.
Schnätteretäng, schnätteretäng, mit Forum Scheck
sitzt Du bei uns am Oberdeck!

Dieses Schnätteretäng wurde für die nächsten Jahre das Markenzeichen unserer Büttenreden.

1988:
Allein verreisen ist am Besten, du sparst dabei ne Menge Geld
vor allem bei ner Fahrt in Westen, weil sowieso man kurz dich hält.
Selbst Erich hat darum bestimmt, die Margot hütet Haus und Hof,
denn wer die Frau mit nach Paris nimmt, der gilt ja ohnehin für doof!
Schätteretäng, schnätteretäng Vergnügungspark
den gibt es nicht für 15 Mark

1992:
Markkleeberg, Faschingsmetropole, lässt keine Chance mehr für Mainz,
denn dank der Grube, dank der Kohle gilt für Markkleeberg eins:
Markkleeberg, wie es stiebt und stinkt, was ist schon Mainz, das lacht und singt
am Rheine und mit Weine, wir ham die Pleiße – Scheiße!
Schnätteretäng, schnätteretäng, die Luft riecht fein,
von Leipzig bis nach Espenhain!

1994:
Wir heben ab das Schild vom Pfahl, in Wachau, Gaschwitz fiel die Wahl
auf uns: Markkleeberg/Sachsen – und weiter woll’n wir wachsen!
Der nächste wird Großdeuben sein, selbst Leipzig kriegen wir noch klein,
eh’ Lehmann-Grube aufgewacht, hat Eichler ihn längst ausgelacht.
Schnätteretäng, schnätteretäng, Markkleeberg – Nord
heißt Leipzig bald, bei meinem Wort!

1998:
Was Sex ist in Amerika, das zeigt uns Bill mit Monica
und Paula Jones, das geile Biest, hat Hillary die Lust vermiest.
Das ganze Land, es ist kein Witz, schaut nun auf Clintons Hosenschlitz,
doch scheint es, dass je mehr er geigt, Beliebtheit von Bill Clinton steigt.
Drum Helmut lern von diesem Mann und schaffe Dir ein Liebchen an.
Bei Saumagen und Äppelwein, da fädle doch das Ding mal ein
bei Claudia oder Angela, die Rita ist ja auch noch da.
Selbst wenn es für dich wird zur Qual, nur so gewinnst Du noch die Wahl!
Schnätteretäng, schnätteretäng, es schreibt die BILD,
der Kanzler war besonders wild!

2001:
Der Staat muß sparen überall, beim Arzt, bei Kur und Renten,
ist dieses auch nicht sehr sozial, wir wer’n schon nicht verenden.
Wer glaubt, dass wir zu schlau schon sind, muss heut an Bildung sparen,
Politiker noch dümmer sind dafür in ein paar Jahren.
Schnätteretäng, schnätteretäng, das kann nicht sein,
denn dümmer ist nicht mal ein Schwein!

2003:
Deutschland sucht den Superstar und ist schon am Verblöden,
Tanz und Gesang, mir sträubt’s das Haar, Gehopse wie von Kröten.
Millionen sitzen jedes mal zu Hause vor den Glotzen
und tausende vor Ort im Saal, ich find die Schau zum Kotzen!
Den Superstars samt Dieter Bohlen, den sollte man den Arsch versohlen.
Schnätteretäng, schnätteretäng, der Rest der Welt,
uns längst für Vollidioten hält!

2005:
Wer kinderlos in dieser Welt, der zahlt ab heute Pflegegeld.
Der nächste Schritt, der könnte sein, die Schwangerschaft man leitet ein,
wenn vierzig ist das Jüngferlein und niemals wollte schwanger sein.
Im dritten Schritt der Mann ist dran, denn mit Geschlechtsumwandlung kann
auch er die Schwangerschaft vollenden, gar selber sich den Samen spenden.
Schnätteretäng, schnätteretäng, die Medizin
die kriegt das ohne weitres hin!

2008:
Der City-Tunnelbau geht weiter, doch stimmt es uns nicht grade heiter,
dass zich Millionen heut schon fehlen, doch woher nehmen und nicht stehlen?
Die Landesbank ist längst schon pleite, Herr Milbradt sucht schon bald das Weite,
auch Württemberg wird uns nicht retten, die Schwaben gern den Tunnel hätten,
wenn man nach Stuttgart ihn könnt bringen, dann könnt der Handel noch gelingen.
Schnätteretäng, schnätteretäng, eins bleibt uns noch,
wir schütten wieder zu das Loch!